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      Bei seiner Forschung orientiert sich das IZS am Wissensbedarf in der Praxis. Durch die Einbettung in einen theoretischen und methodischen Rahmen werden aus diesem Bedarf Forschungsfragen und Forschungsprojekte mit europäischer, nationaler oder regionaler Reichweite entwickelt.

        Skizze Haus, schwarz
        Skizze vom Umbau des Hauses in schwarz mit roten Änderungen
        Skizze von Haus in schwarz, Skitte der Gestaltung des Freiraums zwischen den Häusern in rot,

        Abbildung: Visualisierung möglicher Eingriffe in die Bausubstanz v.l.n.r.: Erhaltung Status-quo (0); Neubau Dachgeschoss/ Aufstockung (6); Ersatzloser Abbruch und Gestaltung der Freifläche (12) (Quelle: Stadt Görlitz)

        REVIVAL! - Revitalisierung der historischen Städte in Niederschlesien und Sachsen

        Ausgangslage
        Die sächsische und niederschlesische Oberlausitz sowie das Sudetenvorland sind geprägt von einer Vielzahl an Klein- und Mittelstädten mit besonderem baukulturellem Wert. Gleichzeitig sind diese Städte besonders betroffen vom demographischen und sozioökonomischen Wandel. Neubautätigkeiten finden oftmals an den Stadträndern statt, während die historischen Innenstädte zunehmend ihre Nutzungen verlieren – trotz enormer Erfolge bei der Modernisierung der Infrastruktur und des Gebäudebestandes. Leerstände von Wohn- und Geschäftsgebäuden im Stadtzentrum stellen zum einen eine Bedrohung für die historische Bausubstanz dar und führen zum anderen zum Verlust wichtiger städtischer Funktionen, die das Stadtzentrum als Ort von Kultur, Handel und Begegnung traditionell innehat. Bei einer zunehmenden Bedeutung weicher Standortfaktoren (z. B. Freizeitwert, kulturelles Angebot, Image) für Wohnortentscheidungen und Unternehmensansiedlungen ergeben sich aus beiden Faktoren ein drohender Attraktivitätsverlust und regionale Standortnachteile für das betroffene Gebiet. Eine Chance für die Klein- und Mittelstädte in Oberlausitz und Sudetenvorland liegt jedoch in der zunehmenden Überlastung der Agglomerationen Wrocław, Dresden und Leipzig (z. B. angespannte Wohnungsmärkte, zunehmende Umwelt- und Verkehrsprobleme) und einem damit verbundenen, wieder erweckten Interesse an kleineren Städten. Insbesondere die historischen Klein- und Mittelstädte im Fördergebiet sind für eine Renaissance gut ausgestattet: mit ihrer attraktiven Bausubstanz und den historisch kompakten, städtischen Strukturen im Zentrum bieten sie geeignete Rahmenbedingungen für eine bauliche und gesellschaftliche Revitalisierung zu Zeiten europaweit verstärkter (Re-)Urbanisierungsprozesse.

        Ziel
        In der historischen Entwicklung, der Stadtstruktur, der demographischen und sozioökonomischen Entwicklung, den baukulturellen und touristischen Potenzialen aber auch in der wirtschaftlichen Strukturschwäche und den drohenden funktionalen Verlusten weisen die Städte im Grenzgebiet ähnliche Potenziale und Herausforderungen auf. Das Projekt „REVIVAL! - Revitalisierung der historischen Städte in Niederschlesien und Sachsen“ zielt darauf ab, diese Herausforderungen zu bewältigen und die Entwicklungschancen der Klein- und Mittelstädte durch den Erhalt des kulturellen Erbes und eine Stärkung der Innenstädte besser zu nutzen. Hierdurch soll eine Steigerung der Attraktivität des Fördergebietes für die ansässige Bevölkerung, Zuzügler, Touristen und für potenzielle Unternehmensansiedlungen und Fachkräfte erreicht werden. Durch die Stärkung der historischen Innenstädte leistet das Projekt einen Beitrag zur Begrenzung des Flächenverbrauchs durch gewerbliche Nutzungen sowie Wohnungsbau an den Stadträndern und damit zum Schutz des Naturerbes im Fördergebiet.

        Projektmaßnahmen
        In den insgesamt zehn Partnerstädten des Projekts auf deutscher und polnischer Seite der Neiße wird jeweils ein Aktionstag "Lebendige Innenstadt" die historischen Zentren beleben, neue Aufmerksamkeit generieren und Entwicklungsperspektiven aufzeigen. Zehn Pilotmaßnahmen, die von jeder Stadt individuell und an die Bedürfnisse angepasst geplant und umgesetzt werden, dienen dem Erhalt, der Entwicklung und der besseren Zugänglichkeit des kulturellen Erbes, bringen es ins Bewusstsein der Bevölkerung und machen es attraktiv für Touristen. Eine Wanderausstellung zeigt Geschichte und gegenwärtiges Potenzial der Innenstädte sowie die bereits erzielten Revitalisierungserfolge. Ein Geocaching-Spiel ermuntert die Bevölkerung und Touristen zu Erkundungstouren auf den Spuren des kulturellen Erbes im Grenzraum. Eine studentische Herbstschule bringt neue und kreative Ideen in die Region.

        Forschungsfragen und Methodik
        Im Projekt „REVIVAL! - Revitalisierung der historischen Städte in Niederschlesien und Sachsen“ sollen Ansätze zur Belebung historischer Innenstädte in der Praxis erprobt werden. Begleitend befasst sich das Projekt mit der methodisch-theoretischen Weiterentwicklung vorhandener wissenschaftlicher Ansätze zur Erfassung von Lebensqualität und Urbanität in historischen Klein- und Mittelstädten als zunehmend bedeutsame weiche Stadtortfaktoren bei Wohnort- oder Unternehmensstandortentscheidungen. Dabei sollen auch die Vorstellungen und Erfahrungen der Partnerstädte gerade in Hinblick auf die Bedeutung ihres kulturellen Erbes als weicher Standortfaktor mit einfließen. Es stellt sich schließlich die Frage, wie es konkret um die Lebensqualität und die Urbanität in den Partnerstädten bestellt ist. Welche Vorteile gibt es bereits im Vergleich mit den zunehmend überlasteten Großstädten im Umland? Wo liegen gegenwärtig Herausforderungen und welche Entwicklungspotenziale bestehen? Auf Basis dieser übergeordneten Fragestellungen sollen zehn einzelne, kommunale Strategien für die Partnerstädte sowie eine Gesamtstrategie für das Fördergebiet zum Erhalt des kulturellen Erbes und zur Attraktivitätssteigerung und Belebung der Innenstädte entwickelt werden, die bei zukünftigen politischen Entscheidungen als Handlungshilfe herangezogen werden können.

        Das Projekt wird im Rahmen des EU-Kooperationsprogramms INTERREG Polen – Sachsen 2014-2020 gefördert. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), vertreten durch das in Görlitz ansässige Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS), betreut das Projekt als Lead Partner. Zu den wissenschaftlichen Partnern zählen weiterhin die TU Dresden (IHI Zittau), ebenfalls vertreten durch das IZS in Görlitz, sowie die Woiwodschaft Niederschlesien, vertreten durch das Instytut Rozwoju Terytorialnego (IRT) in Wrocław.
        Auf deutscher Seite sind die vier Städte Bautzen, Görlitz (vertreten durch die Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH), Reichenbach und Zittau beteiligt, auf polnischer Seite die Städte und Gemeinden Bolesławiec, Gryfów Śląski, Kamienna Góra, Lubawka, Lubomierz und Żary.
           
        Projektlaufzeit: 10/2018 – 09/2020

        Stadt auf Probe – Wohnen und Arbeiten in Görlitz

        https://izs-goerlitz.ioer.de/fileadmin/Bilder/projekte/IMG_0150.JPG
        Foto: R. Knippschild, IÖR

        Die Stadt Görlitz bietet ein großes und breit gefächertes Angebot an Wohn- und Arbeitsraum zu moderaten Preisen, ein attraktives Umfeld durch ein breites Kulturangebot, ein historisches Stadtbild, bereits vorhandene Netzwerke der Kreativwirtschaft, ein internationales Umfeld durch die Grenzlage sowie ein positives Image ("Görliwood", "Schönste Stadt Deutschlands", "Europastadt"). Gleichzeitig ist sie von den Folgen des demografischen Wandels und des wirtschaftlichen Strukturwandels betroffen und sucht nach Strategien der langfristigen Stabilisierung und Revitalisierung insbesondere der historischen Innenstadt sowie zahlreicher Industrie- und Gewerbebrachen.

        Die Stadt steht damit stellvertretend für Herausforderungen, vor denen zahlreiche Mittelstädte in Deutschland stehen. Während sie aufgrund von tiefgreifenden Umwandlungsprozessen in den letzten Jahren einen immensen Bevölkerungsverlust erfahren haben, erfreuen sich seit Mitte der 2000er-Jahre  Großstädte und Großstadtregionen großer Beliebtheit. Doch hier werden verstärkt Überlastungseffekte deutlich, die steigenden Bevölkerungszahlen führen zu einer zunehmenden Anspannung auf dem Wohnungs- und Gewerbeflächenmarkt sowie zu höheren Verkehrs- und Umweltbelastungen.

        Im Projekt „Stadt auf Probe – Wohnen und Arbeiten in Görlitz“ soll ein Ansatz analysiert werden, wie die Potenziale einer Mittelstadt genutzt und gefördert werden und damit Gegenentwürfe zu Abwanderung, Leerstand und einem weiteren Bedeutungsverlust der Städte entstehen können. Es stellt sich die Frage, welches Potenzial für eine Revitalisierung insbesondere peripher gelegenen Mittelstädten zukommt, die jedoch mit günstigen weichen Standortfaktoren ausgestattet sind. Unter welchen Bedingungen kann sich aus den genannten Trends der Stadtentwicklung in Deutschland eine Renaissance der Mittelstädte ergeben? Mit welchen Ansätzen kann die nationale Stadtentwicklungspolitik dieses Potenzial stärken und nutzen?

        Im Rahmen des Projektes werden für einen begrenzten Zeitraum ein kostenfreies Probewohnen und Probearbeiten in der Stadt Görlitz angeboten. Das Projekt konzentriert sich dabei auf eine Personengruppe, die standortungebunden ist, z. B. freiberuflich und evtl. in der Kreativwirtschaft arbeitet, und die für die Stadt Görlitz als Wohn- und Arbeitsstandort begeistert werden soll. Gleichzeitig können mit dem Projekt bereits vorhandene Netzwerke der Kreativwirtschaft in der Stadt gestärkt werden. Interessierte aus der genannten Zielgruppe bekommen für einen Zeitraum von vier Wochen jeweils kostenfrei eine Probewohnung sowie einen Probearbeitsraum zur Verfügung gestellt, um ihrer freiberuflichen Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung sollen Wünsche und Erfahrungen dieser Zielgruppe mit Blick auf Empfehlungen für die künftige Stadtentwicklung in Görlitz analysiert werden.

        Das Projekt wird im Rahmen der „Nationalen Stadtentwicklungspolitik“ vom Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI) / Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gefördert. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), vertreten durch das in Görlitz ansässige Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) setzt das Projekt gemeinsam mit den Partnern KommWohnen Service GmbH, dem Amt für Stadtentwicklung der Stadt Görlitz sowie den Görlitzer Initiativen KoLABORacja e. V., Kühlhaus e. V. und Wildwuchs e. V. um. Weitere lokale Initiativen und Netzwerke unterstützen das Vorhaben.

        Weitere Informationen zu Projekt und Bewerbung unter: http://stadt-auf-probe.ioer.eu

               

        Projektlaufzeit: 07/2018 – 12/2020

        Modellvorhaben der Raumordnung (MORO): Planspiel "Anpassung peripherer Siedlungsstrukturen"

        Problemstellung
        Bevölkerungsrückgang, Alterung, Fortzüge und Betriebsschließungen können die Entwicklungsperspektiven einer Einzellage oder eines peripher gelegenen Ortsteils so stark einschränken, dass die Frage nach der grundsätzlichen Zukunftsperspektive dieses Ortsteils gestellt wird. Diskussionsauslöser sind häufig anstehende Sanierungsmaßnahmen der technischen Infrastruktur, z. B. bei Straßen, Brücken oder der Kanalisation, teilweise auch verschärft durch die nicht mehr sicherzustellende Erreichbarkeit z. B. im Rahmen der Brandbekämpfung.

        In der Vorstudie zum Planspiel wurden sowohl relevante kommunale Handlungserfordernisse herausgearbeitet als auch die Bereitschaft einzelner kommunaler Akteure zur Beschäftigung mit diesem Thema festgestellt.

        Die Handlungsoption "Strategischer Rückzug" ermöglicht betroffenen Gemeinden eine Konsolidierung ihres Infrastrukturangebots und eine Konzentration auf tragfähige Siedlungskerne und eröffnet damit neue Entwicklungsperspektiven für die Zukunft.

        Aufgrund der politischen Brisanz wird eine solche Diskussion jedoch fast nie öffentlich geführt. Zudem sind die Vorgehensweisen, mögliche Instrumente auf der einen Seite und die Barrieren auf der anderen Seite bisher nicht umfassend aufgearbeitet und erörtert worden. Dies umfasst technische, planerische, finanzielle und rechtliche Aspekte.

        Ziel
        Ziel des Planspiels ist es, in einem geschützten Rahmen ergebnisoffen die Chancen und Risiken eines "strategischen Rückzugs" aus verschiedenen kommunalen Perspektiven (v. a. Gemeinderat, Versorgerbetriebe, Bürgerinitiativen) ergebnisoffen zu erörtern sowie wenn möglich Handlungsempfehlungen an die Ausgestaltung eines entsprechenden Instrumentariums zu formulieren.

        Forschungsfragen
        Wie sollte ein planerischer Ansatz des "strategischen Siedlungsrückzugs" gestaltet sein, um betroffenen Kommunen Handlungsoptionen für einen planvollen und bewussten Rückzug aus einem langfristig nicht zukunftsfähigen Ortsteil zu ermöglichen?

        Dazu sollen folgende Teilfragen bearbeitet werden:

        • Wie kann ein solcher Prozess zur Aushandlung eines Rückzugs gestaltet werden?
        • Welche Potenziale und Grenzen zur Umsetzung bestehen durch vorhandene planerische und rechtliche Instrumente, Planungsverfahren und Förderprogramme?
        • Welche Anforderungen sind an die Erweiterung bzw. Neuentwicklung entsprechender Ansätze zu stellen?

        Methodik
        Gegenstand des Planspiels sind vor allem von starken Bevölkerungsrückgängen betroffene Kommunen im ländlichen Raum, wobei ein besonderes Augenmerk auf periphere, kleinere Ortsteile gelegt wird.

        Auf Grundlage einer Fallkonstellation, d. h. der Definition einer Ausgangssituation im Sinne eines Handlungserfordernisses, sollen die Planspielteilnehmer/-innen die Handlungsoption "strategischer Rückzug" diskutieren und mögliche konkrete Handlungsansätze aufzeigen. Gegenstand der Fallkonstellation sind zudem die Rollendefinition für die Spieler/-innen, die inhaltlichen Grundlagen wie Gutachten und Pläne sowie eine Serie an situativ einzusetzenden Ereignissen innerhalb des Spielverlaufs.

        Der Teilnehmerkreis setzt sich aus interessierten Personen aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft zusammen, die im Rahmen der Vorstudie Interesse an einer Teilnahme bekundet hatten. Nach Bedarf werden weitere externe Fachleute eingebunden, die beispielsweise konkrete Erfahrungen und finanzielle Orientierungswerte für technische Handlungsoptionen einbringen können.

        Es sind drei zeitlich voneinander unabhängige Planspieltage vorgesehen. An einem vierten Termin sollen in einer projektinternen Werkstatt die Ergebnisse zusammengeführt und gemeinsam reflektiert werden.

        Ergebnisse
        Zum einen sollen Erkenntnisse zur Gestaltung eines Prozesses zur Verhandlung eines "strategischen Rückzugs" auf kommunaler Ebene abgeleitet werden (einzubeziehende Akteursgruppen, Veranstaltungsform und Ablauf, Moderation etc.). Zum anderen werden Erkenntnisse zur Anwendbarkeit bestehender Instrumente und ggf. Anforderung an deren Erweiterung oder die Entwicklung neuer Instrumente (planungs- und eigentumsrechtliche Regelungen, Planungsverfahren, Fördermittel etc.) erwartet.

        Damit leistet das Projekt sowohl einen Beitrag zu planungswissenschaftlichen Fragestellungen als auch zur konkreten Politikberatung im Kontext des demografischen Wandels.

        Kontakt
        Am Projekt sind Dr. Stefanie Rößler und Prof. Knippschild (IZS) sowie Dr. Georg Schiller (IÖR, Forschungsbereich "Ressourceneffizienz von Siedlungsstrukturen") und  Prof. Dr. jur. Gerold Janssen (IÖR) beteiligt.

        Kooperation
        Das Projekt wird unter Federführung von Gertz Gutsche Rümenapp (GGR) Mobilität und Stadtentwicklung GbR, Hamburg (Lead) und in Kooperationen mit proloco Glatthaar und Lehmann GbR, Bremen durchgeführt.

        Laufzeit: 09/2017-01/2019

        Finanzierung:
        Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

        Stadtumbau im Spannungsfeld zwischen Revitalisierung und Denkmalschutz: Stadtumbau-Matrix Görlitz

        Straßenzug in Görlitz
        Foto: Robert Knippschild / IÖR

        In den vergangenen 25 Jahren wurden in Görlitz ca. drei Viertel des städtebaulich wertvollen und denkmalgeschützten Baubestandes saniert. Massive Einwohnerverluste haben jedoch zu Leerständen geführt, die auch durch die derzeit zu verzeichnenden und prognostizierten Bevölkerungszuwächse nicht kompensiert werden können. Städtebauliche Missstände und soziale Segregation bestehen in einigen Stadtteilen fort.

        Daher sind neue und hochwertige Nutzungen in den Bereichen Wohnen, Handel, Dienstleistungen, Gewerbe erforderlich, für die durchaus ein Bedarf besteht. Diese lassen sich jedoch innerhalb der bestehenden Hausgrundrisse nicht oder nur mit erheblichen Eingriffen in die Bausubstand realisieren. Dabei ist das Ziel der Stadtentwicklung, die Stadt in ihrer Größe und Struktur zu erhalten.

        Mit Hilfe einer sogenannten Stadtumbau-Matrix wurde eine einfach anwendbare Leitlinie geschaffen, um den Wohnungs- und Gebäudebestand im Einklang mit dem Denkmalschutz zu optimieren sowie neue Mieterklientel und neue Nutzungen anzuziehen, indem andersgeartete Nutzungsbedarfe zugelassen werden. Mithilfe der Matrix sollen Entscheidungen unterstützt und transparent gemacht werden, inwieweit in die bestehende Bausubstand eingegriffen werden kann bzw. welche Nutzungen in denkmalgeschätzten Gebäuden denkbar sind.

        Ziel des Projektes ist die Begleitung der Erprobungsphase der Stadtumbau-Matrix durch eine Bewertung der Methodik und deren Anwendung in Entscheidungsprozessen. Dabei soll die Frage beantwortet werden, ob die Stadtumbau-Matrix ein geeignetes Bewertungsinstrument im Umgang mit potenziellen Konflikten zwischen Revitalisierung von Innenstädten und Denkmalschutz ist.

        Die folgenden Arbeitsschritte sind vorgesehen:

        • Erfassung der Stadtumbau-Matrix als Instrument zur Bewertung des Gebäudebestandes, zur Herstellung von Transparenz im Stadtumbau-Prozess sowie zur Unterstützung von Entscheidungen im Konflikt zwischen Revitalisierung und Denkmalschutz
        • Bewertung / Einschätzung der Stadtumbau-Matrix im Hinblick auf ihre methodisch-inhaltliche Funktionalität sowie institutionell-prozesshafte Umsetzung
        • Ableitung von Verbesserungsvorschlägen für die Stadt Görlitz

        Laufzeit: 02/2017 – 06/2018

        Schutz und Weiterentwicklung der biologischen Vielfalt im Rahmen der integrierten Stadtentwicklung unter Berücksichtigung der Möglichkeit der deutschen Städtebauförderung

        https://izs-goerlitz.ioer.de/fileadmin/Bilder/projekte/baumluecke.jpg
        Begrünung einer Baulücke in einem
        Stadtumbaugebiet in Leipzig (Foto: S. Rößler/ IÖR)

        Die Integration des Schutzes und der Entwicklung biologischer Vielfalt in die Stadtentwicklung ist zu einem bedeutenden Thema des staatlichen, kommunalen und verbandlichen Naturschutzes geworden. Insbesondere die Schaffung und Aufwertung von Grünflächen – als Teil dieser biologischen Vielfalt – ist als wichtiger Baustein für die Steigerung der Attraktivität der Städte und Gemeinden als Wohn- und Wirtschaftsstandort anerkannt. Wenngleich grundsätzlich vielfältige Synergien zwischen den Zielen von Naturschutz und Landschaftspflege einerseits und der Stadtentwicklung andererseits bestehen und es auch eine Reihe guter Ansätze in der Praxis gibt, werden Schutz und Entwicklung der biologischen Vielfalt bislang nicht flächendeckend in Stadtentwicklungsprozesse integriert.

        Entsprechend der großen Bedeutung der Instrumente der Stadterneuerung für die Entwicklung des Stadtgrüns insbesondere im städtebaulichen Bestand ist seit 2015 die „Umsetzung von Grün- und Freiräumen“ expliziter Fördertatbestand in allen Programmen der Städtebauförderung. Neben der Weiterentwicklung der Rahmensetzung durch Bund und Länder sehen Naturschutz und Landschaftspflege Handlungsbedarf bei den Kommunen, geeignete Konzepte zu entwickeln und Projekte vor Ort umzusetzen. Stadterneuerungsprojekte, die städtisches Grün zur Behebung städtebaulicher Missstände nutzen, stehen bisher konzeptionell nur selten in Bezug zu gesamtstädtischen Grünplanungen und zu Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege.

        Im Projekt sollen die Möglichkeiten der Städtebauförderung zum Schutz und für die Weiterentwicklung der biologischen Vielfalt im besiedelten Bereich analysiert und bewertet sowie Handlungsempfehlungen für Kommunen entwickelt werden.

        • Welche Rahmenbedingungen bieten die aktuellen Vorgaben zur Umsetzung der Städtebauförderung zur Integration der Belange der biologischen Vielfalt in Städten?
        • Welche Potenziale und Hindernisse sehen Kommunen zur Integration der Belange der biologischen Vielfalt im Rahmen der Städtebauförderung?
        • Wie können Kommunen die Integration der Belange der biologischen Vielfalt im Rahmen der Städtebauförderung befördern?

        Aufbauend auf einer Operationalisierung der Belange der biologischen Vielfalt in der Stadt und der Analyse der Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Städtebauförderung werden zunächst Schnittstellen zwischen diesen beiden Themenfeldern identifiziert. Auf dieser Grundlage wird ein Analyserahmen für die empirischen Arbeiten im Projekt entwickelt.

        Nach der bundesweiten Auswahl von fünf Kommunen, die derzeit an der konzeptionellen Umsetzung der Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt arbeiten und dazu auf Projektebene Mittel der Städtebauförderung in Anspruch nehmen bzw. dies beabsichtigen, werden diese Kommunen in Werkstattgesprächen bei der Entwicklung bzw. Fortschreibung der für die Städtebauförderung obligatorischen, städtebaulichen Konzepte wissenschaftlich begleitet. Dabei sollen erfolgreiche Prozessverläufe, die zu einer naturschutzorientierten Stadtentwicklung bzw. -erneuerung beitragen, eruiert werden.

        Die Ergebnisse der Evaluation und der Werkstattgespräche bieten die Grundlage für Handlungsempfehlungen für Kommunen zur Integration der Belange der biologischen Vielfalt in die Städtebauförderung.

        Das Projekt wird unter Federführung des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU), Darmstadt und in Kooperation mit NH ProjektStadt – Eine Marke der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt, Frankfurt/M. durchgeführt.

        Laufzeit: 09/2016 – 01/2018

        Finanzierung: Bundesamt für Naturschutz, Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (FKZ 3516 82 1900)

        Biologische Vielfalt und Naturschutz im Förderprogramm Stadtumbau

        Blick auf Wohngebiet Halle-Silberhoehe, vorn Grünflächen, hinten Platennbauten
        Renaturierung ehemaliger Wohnbaustandorte im Rahmen
        des Programms "Stadtumbau Ost":Aufforstung von
        Rückbauflächen in Halle-Silberhöhe (Foto: S. Rößler/ IÖR)

        Die Bedeutung von Stadtgrün und damit urbaner biologischer Vielfalt für eine erfolgreiche integrierte Stadtentwicklung mit dem Ziel der nachhaltigen, attraktiven und lebenswerten Stadt ist vielfach belegt. Gleichzeitig bestehen in Städten spezielle Voraussetzungen für die biologische Vielfalt, sowohl was ihre Ausprägung als auch ihre Erhaltungs- und Entwicklungsbedarfe anbelangt. Der städtebauliche Bestand stellt eine besondere Herausforderung zur Berücksichtigung dieser Aspekte dar. Die Instrumente der Stadterneuerung, sowohl rechtlich im Sinne des Besonderen Städtebaurechts, fiskalisch im Sinne der Städtebauförderung und planerisch im Rahmen Integrierter Stadtentwicklungskonzepte bilden den Rahmen, freiraumbezogene und naturschutzfachliche Belange in der Stadtentwicklung umzusetzen. Die Programme des Stadtumbaus (Ost und West) spielen für die Freiraumentwicklung eine besondere Rolle. In der Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung für das Jahr 2015 ist in allen Programmen die "Umsetzung von Grün- und Freiräumen" explizit als Fördertatbestand verankert.

        Ziel des Gutachtens für das Bundesamt für Naturschutz ist die Bewertung der Potenziale und Grenzen der Integration von Zielen und Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt und des Naturschutzes in der Stadt im Rahmen der Städtebauförderprogramme Stadtumbau Ost und West.

        Angesichts der fachlich und nun auch explizit (förder-)politisch notwendigen Verankerung des Themas Stadtgrün in der Stadterneuerung stellt sich die Frage, wie die Belange der Freiraumplanung, des Stadtnaturschutzes und letztlich der Biodiversitätsförderung im Rahmen der Entwicklung des städtebaulichen Bestandes adressiert werden können.

        • Welche Rahmenbedingungen bieten bundes- und landespolitische Strategien, planungs- und naturschutzrechtliche Regelungen, Förderprogramme und -richtlinien zur Integration und Umsetzung von Zielen und Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt und des Naturschutzes in der Entwicklung des städtebaulichen Bestandes?
        • Welche Möglichkeiten bieten Integrierte Stadtentwicklungskonzepte zur Berücksichtigung der Belange des Stadtnaturschutzes und der Biodiversitätsförderung?
        • Wie können die Ziele des Stadtnaturschutzes und der Biodiversitätsförderung in konkreten Projekten der Städtebauförderung umgesetzt werden?

        Die Bearbeitung erfolgt in mehreren Arbeitspaketen:

        1

        Zunächst werden die rahmensetzenden Programme, Gesetze und Strategien bzgl. ihrer Steuerungs- und Anreizpotenziale zur Verankerung von Belangen der Biodiversitätsförderung und des Naturschutzes in der Stadterneuerung untersucht. Auf dieser Basis sollen die Schnittstellen zwischen Anforderungen und Ansätzen des Stadtumbaus und der Umsetzung der Ziele der nationalen Biodiversitätsstrategie herausgearbeitet werden. Insbesondere wird eine juristische Bewertung von Stadtnaturschutz und Biodiversität als städtebaulicher Belang vorgenommen.

        2

        Um Aussagen hinsichtlich der Rolle und Eignung Integrierter Stadtentwicklungskonzepte zur Berücksichtigung der Belange des Stadtnaturschutzes und der Biodiversitätsförderung treffen zu können, werden ausgewählte Konzepte mittels Dokumentenanalyse und Experteninterviews analysiert.

        3

        Anhand von Kriterien zur Verankerung der Belange von biologischer Vielfalt und Naturschutz werden bereits umgesetzte bzw. in konkreter Planung befindliche Projekte im Rahmen der Städtebauförderung (insbesondere Programme "Stadtumbau Ost" und "Stadtumbau West") recherchiert und bzgl. ihrer Wirkung für den Stadtnaturschutz und die Förderung biologischer Vielfalt analysiert und bewertet.

        Im Ergebnis des Projekts werden Chancen und Grenzen der planerischen Integration und konkreten Umsetzung von Zielen und Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt und des Naturschutzes bei der Entwicklung des städtebaulichen Bestandes zusammengefasst. Es werden Hinweise zu Schnittstellen mit anderen Förderprogrammen sowie Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Städtebauförderung formuliert.

        Laufzeit: 10/2015 – 03/2017

        Finanzierung: Bundesamt für Naturschutz (BfN).

        "Probewohnen Altstadt" in Görlitz

        Blick auf die Altstadt von Görlitz
        Blick zum Obermarkt (Foto: Benno Brandstetter)

        Von September 2015 bis Oktober 2016 haben mehr als 200 Interessierte eine Woche mietfrei in der Görlitzer Altstadt zur Probe gewohnt und getestet, ob ein Umzug dorthin für sie in Frage kommen könnte. Sie zahlten dafür lediglich eine Betriebskostenpauschale. Ziel war es, Auswärtige für einen Umzug nach Görlitz zu begeistern und die Stadt als attraktiven Wohnort bekannt zu machen. Aber auch Neugierige aus anderen Görlitzer Stadtteilen waren eingeladen, das Wohnen in der Altstadt zu testen. Das Projekt wurde federführend von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft  KommWohnen Görlitz GmbH durchgeführt, die drei möblierte Wohnungen zur Verfügung stellte. Die Stadt Görlitz hat das Projekt unterstützt. Das Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) führte die wissenschaftliche Begleitstudie durch.

        Die Neuauflage des Projektes aus den Jahren 2008 und 2010 fand großen Anklang und so sind bis zum Bewerbungsschluss Ende Januar 2016 über 300 Bewerbungen aus ganz Deutschland und auch dem Ausland eingegangen. Vor allem Personen aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Berlin und Baden-Württemberg zog es "zur Probe" in die Görlitzer Altstadt. Das Angebot schien insbesondere für ältere Personen attraktiv, die bereits Rentner sind und noch einmal einen neuen Lebensmittelpunkt suchen wollen oder aber kurz vor Eintritt ins Rentenalter stehen und sich schon jetzt Gedanken über ihren zukünftigen Lebensabschnitt machen Doch auch junge Familien mit Kindern zeigten Interesse am Wohnen in der Görlitzer Altstadt Das Projekt sprach sowohl Menschen an, die eine Verbindung zur Stadt oder Region hatten als auch Menschen, die bisher lediglich Berichte über die Altstadt mit seiner historischen Bausubstanz gesehen oder gelesen hatten und sich nun in der Realität ein Bild davon machen  wollten.

        Als Teilnehmer/-in am Projekt wurde man auch gleichzeitig zum "Experten" zur Bewertung der Wohnsituation in der Görlitzer Altstadt. Vor und während des Aufenthaltes erhielten die Teilnehmer/-innen insgesamt drei Fragebögen, in denen es u. a. um die derzeitige Wohnsituation, aber auch um verschiedene Aspekte des Wohnstandortes Görlitzer Altstadt  ging.

        Die Ergebnisse der Studie liegen nun vor und sind aus Sicht der Projektpartner sehr erfreulich: In vielen Punkten stellen die Befragten der Stadt schon jetzt ein gutes Zeugnis aus. Fast 80 Prozent finden Görlitz so attraktiv, dass sie sich grundsätzlich vorstellen können, in die Stadt an der Neiße zu ziehen. Doch machen die Ergebnisse der Befragung auch deutlich, wo noch Handlungsbedarf besteht.

        Weitere Informationen erhalten Sie in der Pressemitteilung zum Projektabschluss.

        Die Ergebnisse der Begleitstudie wurden am 2. Februar 2017 interessierten Medienvertretern präsentiert. Des Weiteren werden sie der KommWohnen Görlitz GmbH und der Stadt Görlitz zur Verfügung gestellt, damit künftig Wohnwünsche und Wohnbedürfnisse in der Stadtentwicklung noch besser berücksichtigt werden können.

        Weitere Informationen:

        Die Abschlusspublikation und die Ergebniszusammenfassung zum Projekt "Probewohnen Görlitz Altstadt" sind nun erschienen und verfügbar.

        Download Ergebniszusammenfassung -->  Link zum PDF-Download
        Link zur Abschlusspublikation --> https://www.ioer.de/publikationen/ioer-schriften/ioer-schriften-75/

        Planspiel "Anpassung pheripherer Siedlungsstrukturen" (MORO Vorstudie)

        Feldweg führt zu einem alten Gehöft
        Leer stehende Gebäude in einem Dorf in Brandenburg
        (Foto: S. Rößler/ IÖR)

        Im Zuge der Anpassung an die Folgen des demografischen Wandels in ländlichen, peripheren Siedlungslagen wird über die Notwendigkeit und die politische Akzeptanz einer möglichen kommunalen Planungsoption "Strategischer Rückzug" aus Splittersiedlungen oder kleineren Ortsteilen diskutiert. An Überlegungen zur kommunalpraktischen Umsetzung des "strategischen Rückzugs" knüpfen sich aktuell jedoch große Unsicherheiten der Akteure hinsichtlich der rechtlichen und finanziellen Folgen eines solchen Instruments. Noch viel größer sind diese Unsicherheiten hinsichtlich der kommunal- und landespolitischen Dynamik und der Reaktionen, die entsprechende Überlegungen in der Öffentlichkeit auslösen.

        Zur Vorbereitung eines Planspiels zu diesen Fragen sollen in einer Vorstudie für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) die relevanten inhaltlichen und organisatorischen Aspekte dargestellt werden.

        Das IÖR erarbeitet die wissenschaftlichen Grundlagen zu den Handlungsoptionen in den Feldern Gebäudebestand, technische, Verkehrs-, soziale und kulturelle Infrastruktur und bewertet die rechtliche Umsetzbarkeit. Am Projekt sind Wissenschaftler/-innen aus dem IZS (Dr. Stefanie Rößler, Christian Schneider) sowie den Forschungsbereichen "Ressourceneffizienz von Siedlungsstrukturen" (Dr. Georg Schiller) und "Strategische Fragen und Perspektiven" (Prof. Dr. Gerold Janssen) beteiligt.

        Das Projekt wird unter Federführung von Gertz Gutsche Rümenapp Stadtentwicklung und Mobilität GbR, Hamburg und in Kooperation mit proloco, Bremen durchgeführt.

        Laufzeit: 02/2015 – 01/2016

        Finanzierung: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).