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Abgeschlossenen Projekte des IZS

Biologische Vielfalt und Städtebauförderung

Schutz und Weiterentwicklung der biologischen Vielfalt im Rahmen der integrierten Stadtentwicklung unter Berücksichtigung der Möglichkeit der deutschen Städtebauförderung

https://izs-goerlitz.ioer.de/fileadmin/Bilder/projekte/baumluecke.jpg
Begrünung einer Baulücke in einem
Stadtumbaugebiet in Leipzig (Foto: S. Rößler/ IÖR)

Die Integration des Schutzes und der Entwicklung biologischer Vielfalt in die Stadtentwicklung ist zu einem bedeutenden Thema des staatlichen, kommunalen und verbandlichen Naturschutzes geworden. Insbesondere die Schaffung und Aufwertung von Grünflächen – als Teil dieser biologischen Vielfalt – ist als wichtiger Baustein für die Steigerung der Attraktivität der Städte und Gemeinden als Wohn- und Wirtschaftsstandort anerkannt. Wenngleich grundsätzlich vielfältige Synergien zwischen den Zielen von Naturschutz und Landschaftspflege einerseits und der Stadtentwicklung andererseits bestehen und es auch eine Reihe guter Ansätze in der Praxis gibt, werden Schutz und Entwicklung der biologischen Vielfalt bislang nicht flächendeckend in Stadtentwicklungsprozesse integriert.

Entsprechend der großen Bedeutung der Instrumente der Stadterneuerung für die Entwicklung des Stadtgrüns insbesondere im städtebaulichen Bestand ist seit 2015 die „Umsetzung von Grün- und Freiräumen“ expliziter Fördertatbestand in allen Programmen der Städtebauförderung. Neben der Weiterentwicklung der Rahmensetzung durch Bund und Länder sehen Naturschutz und Landschaftspflege Handlungsbedarf bei den Kommunen, geeignete Konzepte zu entwickeln und Projekte vor Ort umzusetzen. Stadterneuerungsprojekte, die städtisches Grün zur Behebung städtebaulicher Missstände nutzen, stehen bisher konzeptionell nur selten in Bezug zu gesamtstädtischen Grünplanungen und zu Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege.

Im Projekt sollen die Möglichkeiten der Städtebauförderung zum Schutz und für die Weiterentwicklung der biologischen Vielfalt im besiedelten Bereich analysiert und bewertet sowie Handlungsempfehlungen für Kommunen entwickelt werden.

  • Welche Rahmenbedingungen bieten die aktuellen Vorgaben zur Umsetzung der Städtebauförderung zur Integration der Belange der biologischen Vielfalt in Städten?
  • Welche Potenziale und Hindernisse sehen Kommunen zur Integration der Belange der biologischen Vielfalt im Rahmen der Städtebauförderung?
  • Wie können Kommunen die Integration der Belange der biologischen Vielfalt im Rahmen der Städtebauförderung befördern?

Aufbauend auf einer Operationalisierung der Belange der biologischen Vielfalt in der Stadt und der Analyse der Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Städtebauförderung werden zunächst Schnittstellen zwischen diesen beiden Themenfeldern identifiziert. Auf dieser Grundlage wird ein Analyserahmen für die empirischen Arbeiten im Projekt entwickelt.

Nach der bundesweiten Auswahl von fünf Kommunen, die derzeit an der konzeptionellen Umsetzung der Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt arbeiten und dazu auf Projektebene Mittel der Städtebauförderung in Anspruch nehmen bzw. dies beabsichtigen, werden diese Kommunen in Werkstattgesprächen bei der Entwicklung bzw. Fortschreibung der für die Städtebauförderung obligatorischen, städtebaulichen Konzepte wissenschaftlich begleitet. Dabei sollen erfolgreiche Prozessverläufe, die zu einer naturschutzorientierten Stadtentwicklung bzw. -erneuerung beitragen, eruiert werden.

Die Ergebnisse der Evaluation und der Werkstattgespräche bieten die Grundlage für Handlungsempfehlungen für Kommunen zur Integration der Belange der biologischen Vielfalt in die Städtebauförderung.

Das Projekt wird unter Federführung des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU), Darmstadt und in Kooperation mit NH ProjektStadt – Eine Marke der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt, Frankfurt/M. durchgeführt.

Laufzeit: 09/2016 – 01/2018

Finanzierung: Bundesamt für Naturschutz, Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (FKZ 3516 82 1900)

Biologische Vielfalt und Naturschutz im Förderprogramm Stadtumbau

Blick auf Wohngebiet Halle-Silberhoehe, vorn Grünflächen, hinten Platennbauten
Renaturierung ehemaliger Wohnbaustandorte im Rahmen
des Programms "Stadtumbau Ost":Aufforstung von
Rückbauflächen in Halle-Silberhöhe (Foto: S. Rößler/ IÖR)

Die Bedeutung von Stadtgrün und damit urbaner biologischer Vielfalt für eine erfolgreiche integrierte Stadtentwicklung mit dem Ziel der nachhaltigen, attraktiven und lebenswerten Stadt ist vielfach belegt. Gleichzeitig bestehen in Städten spezielle Voraussetzungen für die biologische Vielfalt, sowohl was ihre Ausprägung als auch ihre Erhaltungs- und Entwicklungsbedarfe anbelangt. Der städtebauliche Bestand stellt eine besondere Herausforderung zur Berücksichtigung dieser Aspekte dar. Die Instrumente der Stadterneuerung, sowohl rechtlich im Sinne des Besonderen Städtebaurechts, fiskalisch im Sinne der Städtebauförderung und planerisch im Rahmen Integrierter Stadtentwicklungskonzepte bilden den Rahmen, freiraumbezogene und naturschutzfachliche Belange in der Stadtentwicklung umzusetzen. Die Programme des Stadtumbaus (Ost und West) spielen für die Freiraumentwicklung eine besondere Rolle. In der Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung für das Jahr 2015 ist in allen Programmen die "Umsetzung von Grün- und Freiräumen" explizit als Fördertatbestand verankert.

Ziel des Gutachtens für das Bundesamt für Naturschutz ist die Bewertung der Potenziale und Grenzen der Integration von Zielen und Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt und des Naturschutzes in der Stadt im Rahmen der Städtebauförderprogramme Stadtumbau Ost und West.

Angesichts der fachlich und nun auch explizit (förder-)politisch notwendigen Verankerung des Themas Stadtgrün in der Stadterneuerung stellt sich die Frage, wie die Belange der Freiraumplanung, des Stadtnaturschutzes und letztlich der Biodiversitätsförderung im Rahmen der Entwicklung des städtebaulichen Bestandes adressiert werden können.

  • Welche Rahmenbedingungen bieten bundes- und landespolitische Strategien, planungs- und naturschutzrechtliche Regelungen, Förderprogramme und -richtlinien zur Integration und Umsetzung von Zielen und Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt und des Naturschutzes in der Entwicklung des städtebaulichen Bestandes?
  • Welche Möglichkeiten bieten Integrierte Stadtentwicklungskonzepte zur Berücksichtigung der Belange des Stadtnaturschutzes und der Biodiversitätsförderung?
  • Wie können die Ziele des Stadtnaturschutzes und der Biodiversitätsförderung in konkreten Projekten der Städtebauförderung umgesetzt werden?

Die Bearbeitung erfolgt in mehreren Arbeitspaketen:

1

Zunächst werden die rahmensetzenden Programme, Gesetze und Strategien bzgl. ihrer Steuerungs- und Anreizpotenziale zur Verankerung von Belangen der Biodiversitätsförderung und des Naturschutzes in der Stadterneuerung untersucht. Auf dieser Basis sollen die Schnittstellen zwischen Anforderungen und Ansätzen des Stadtumbaus und der Umsetzung der Ziele der nationalen Biodiversitätsstrategie herausgearbeitet werden. Insbesondere wird eine juristische Bewertung von Stadtnaturschutz und Biodiversität als städtebaulicher Belang vorgenommen.

2

Um Aussagen hinsichtlich der Rolle und Eignung Integrierter Stadtentwicklungskonzepte zur Berücksichtigung der Belange des Stadtnaturschutzes und der Biodiversitätsförderung treffen zu können, werden ausgewählte Konzepte mittels Dokumentenanalyse und Experteninterviews analysiert.

3

Anhand von Kriterien zur Verankerung der Belange von biologischer Vielfalt und Naturschutz werden bereits umgesetzte bzw. in konkreter Planung befindliche Projekte im Rahmen der Städtebauförderung (insbesondere Programme "Stadtumbau Ost" und "Stadtumbau West") recherchiert und bzgl. ihrer Wirkung für den Stadtnaturschutz und die Förderung biologischer Vielfalt analysiert und bewertet.

Im Ergebnis des Projekts werden Chancen und Grenzen der planerischen Integration und konkreten Umsetzung von Zielen und Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt und des Naturschutzes bei der Entwicklung des städtebaulichen Bestandes zusammengefasst. Es werden Hinweise zu Schnittstellen mit anderen Förderprogrammen sowie Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Städtebauförderung formuliert.

Laufzeit: 10/2015 – 03/2017

Finanzierung: Bundesamt für Naturschutz (BfN).

"Probewohnen Altstadt" in Görlitz

Blick auf die Altstadt von Görlitz
Blick zum Obermarkt (Foto: Benno Brandstetter)

Von September 2015 bis Oktober 2016 haben mehr als 200 Interessierte eine Woche mietfrei in der Görlitzer Altstadt zur Probe gewohnt und getestet, ob ein Umzug dorthin für sie in Frage kommen könnte. Sie zahlten dafür lediglich eine Betriebskostenpauschale. Ziel war es, Auswärtige für einen Umzug nach Görlitz zu begeistern und die Stadt als attraktiven Wohnort bekannt zu machen. Aber auch Neugierige aus anderen Görlitzer Stadtteilen waren eingeladen, das Wohnen in der Altstadt zu testen. Das Projekt wurde federführend von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft  KommWohnen Görlitz GmbH durchgeführt, die drei möblierte Wohnungen zur Verfügung stellte. Die Stadt Görlitz hat das Projekt unterstützt. Das Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) führte die wissenschaftliche Begleitstudie durch.

Die Neuauflage des Projektes aus den Jahren 2008 und 2010 fand großen Anklang und so sind bis zum Bewerbungsschluss Ende Januar 2016 über 300 Bewerbungen aus ganz Deutschland und auch dem Ausland eingegangen. Vor allem Personen aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Berlin und Baden-Württemberg zog es "zur Probe" in die Görlitzer Altstadt. Das Angebot schien insbesondere für ältere Personen attraktiv, die bereits Rentner sind und noch einmal einen neuen Lebensmittelpunkt suchen wollen oder aber kurz vor Eintritt ins Rentenalter stehen und sich schon jetzt Gedanken über ihren zukünftigen Lebensabschnitt machen Doch auch junge Familien mit Kindern zeigten Interesse am Wohnen in der Görlitzer Altstadt Das Projekt sprach sowohl Menschen an, die eine Verbindung zur Stadt oder Region hatten als auch Menschen, die bisher lediglich Berichte über die Altstadt mit seiner historischen Bausubstanz gesehen oder gelesen hatten und sich nun in der Realität ein Bild davon machen  wollten.

Als Teilnehmer/-in am Projekt wurde man auch gleichzeitig zum "Experten" zur Bewertung der Wohnsituation in der Görlitzer Altstadt. Vor und während des Aufenthaltes erhielten die Teilnehmer/-innen insgesamt drei Fragebögen, in denen es u. a. um die derzeitige Wohnsituation, aber auch um verschiedene Aspekte des Wohnstandortes Görlitzer Altstadt  ging.

Die Ergebnisse der Studie liegen nun vor und sind aus Sicht der Projektpartner sehr erfreulich: In vielen Punkten stellen die Befragten der Stadt schon jetzt ein gutes Zeugnis aus. Fast 80 Prozent finden Görlitz so attraktiv, dass sie sich grundsätzlich vorstellen können, in die Stadt an der Neiße zu ziehen. Doch machen die Ergebnisse der Befragung auch deutlich, wo noch Handlungsbedarf besteht.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Pressemitteilung zum Projektabschluss.

Die Ergebnisse der Begleitstudie wurden am 2. Februar 2017 interessierten Medienvertretern präsentiert. Des Weiteren werden sie der KommWohnen Görlitz GmbH und der Stadt Görlitz zur Verfügung gestellt, damit künftig Wohnwünsche und Wohnbedürfnisse in der Stadtentwicklung noch besser berücksichtigt werden können.

Weitere Informationen:

Die Abschlusspublikation und die Ergebniszusammenfassung zum Projekt "Probewohnen Görlitz Altstadt" sind nun erschienen und verfügbar.

Download Ergebniszusammenfassung -->  Link zum PDF-Download
Link zur Abschlusspublikation --> https://www.ioer.de/publikationen/ioer-schriften/ioer-schriften-75/

Planspiel "Anpassung pheripherer Siedlungsstrukturen" (MORO Vorstudie)

Feldweg führt zu einem alten Gehöft
Leer stehende Gebäude in einem Dorf in Brandenburg
(Foto: S. Rößler/ IÖR)

Im Zuge der Anpassung an die Folgen des demografischen Wandels in ländlichen, peripheren Siedlungslagen wird über die Notwendigkeit und die politische Akzeptanz einer möglichen kommunalen Planungsoption "Strategischer Rückzug" aus Splittersiedlungen oder kleineren Ortsteilen diskutiert. An Überlegungen zur kommunalpraktischen Umsetzung des "strategischen Rückzugs" knüpfen sich aktuell jedoch große Unsicherheiten der Akteure hinsichtlich der rechtlichen und finanziellen Folgen eines solchen Instruments. Noch viel größer sind diese Unsicherheiten hinsichtlich der kommunal- und landespolitischen Dynamik und der Reaktionen, die entsprechende Überlegungen in der Öffentlichkeit auslösen.

Zur Vorbereitung eines Planspiels zu diesen Fragen sollen in einer Vorstudie für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) die relevanten inhaltlichen und organisatorischen Aspekte dargestellt werden.

Das IÖR erarbeitet die wissenschaftlichen Grundlagen zu den Handlungsoptionen in den Feldern Gebäudebestand, technische, Verkehrs-, soziale und kulturelle Infrastruktur und bewertet die rechtliche Umsetzbarkeit. Am Projekt sind Wissenschaftler/-innen aus dem IZS (Dr. Stefanie Rößler, Christian Schneider) sowie den Forschungsbereichen "Ressourceneffizienz von Siedlungsstrukturen" (Dr. Georg Schiller) und "Strategische Fragen und Perspektiven" (Prof. Dr. Gerold Janssen) beteiligt.

Das Projekt wird unter Federführung von Gertz Gutsche Rümenapp Stadtentwicklung und Mobilität GbR, Hamburg und in Kooperation mit proloco, Bremen durchgeführt.

Laufzeit: 02/2015 – 01/2016

Finanzierung: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).