Zgorzelec, 23. Februar 2026
Wie kann eine gerechte Transformation im deutsch-polnischen Grenzraum gelingen und wie lassen sich zivilgesellschaftliche Erfahrungen und Engagement in diesen Prozess einbinden?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt der fünften TriLand ARENA, die am 23. Februar 2026 in Zgorzelec stattfand.
Die Veranstaltung ist Teil des Interreg-Projekts: TriLand – Grenzüberschreitendes Transformationszentrum und brachte engagierte Akteurinnen und Akteure aus Deutschland und Polen zusammen, um im offenen Dialog Ideen und Erfahrungen auszutauschen.
Eröffnet wurde die ARENA von Joanna Tokarczuk (STORiE) und Prof. Dr.-Ing. Robert Knippschild (Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung IÖR, Interdisziplinäres Zentrum für transformativen Stadtumbau IZS Görlitz). Sie betonten die besondere Lage des Dreiländerraums zwischen Sachsen, Niederschlesien und Nordböhmen: Transformation bedeutet hier nicht nur energiepolitischen Wandel, sondern auch einen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess. Im Anschluss wurden zivilgesellschaftliche Initiativen zur energetischen und regionalen Transformation in Deutschland und Polen vorgestellt. Thomas Pilz (Netzwerk Bürgerregion Lausitz) erläuterte die Situation in der Region und machte deutlich, dass Beteiligung mehr sein muss als ein formaler Akt:
„Strukturwandel funktioniert nur, wenn Bürgerinnen und Bürger verstehen, was passiert – und wenn sie wirklich gewillt sind, mitzugestalten.“
Viele Prozesse scheitern nicht am fehlenden Engagement der Menschen, sondern an intransparenten Strukturen und schwer verständlicher Verwaltungssprache. Thomas Pilz erklärte:
„Verwaltungssprache muss übersetzt werden. Wenn Menschen nicht verstehen, entsteht kein Vertrauen."
Akzeptanz wachse dort, wo frühzeitig informiert wird, finanzielle Auswirkungen transparent sind und der Nutzen für die Region sichtbar bleibt:
„Akzeptanz entsteht dort, wo Beteiligung ernst gemeint ist – und wo Menschen sehen, dass Veränderung auch Vorteile für ihren Alltag bringt.“
Aus Polen berichtete Alina Pogoda (Verband Polnisches Grünes Netz) über Bürgerräte in Transformationsregionen nach dem Kohleausstieg. Dort entwickeln per Los ausgewählte Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Fachleuten Zukunftsszenarien für ihre Region. Solche Formate stärken die demokratische Legitimation politischer Entscheidungen und schaffen neue Räume für strukturierten Austausch.
Maciej Zathey (Direktor des Instituts für territoriale Entwicklung Niederschlesien / Instytut Rozwoju Terytorialnego) stellte das Projekt BorderLabs vor und betonte die Bedeutung strategisch abgestimmter grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Im abschließenden Austausch standen zwei zentrale Fragen im Mittelpunkt
Die Diskussion machte deutlich, dass nachhaltige Transformationsprozesse dauerhafte, transparente und zugängliche Beteiligungsformate brauchen. Kleine Initiativen müssen stärker eingebunden, bürokratische Hürden abgebaut werden. Der Dreiländerraum wurde als gemeinsamer Lebens- und Wirtschaftsraum verstanden, in dem Entwicklungen eng miteinander verknüpft sind. Die wichtige Erkenntnis der TriLand ARENA lautet: Grenzüberschreitende Austauschformate sind unverzichtbar, und es besteht ein großer Bedarf an einem kontinuierlichen, regelmäßigen Dialog. Transformation ist ein gesellschaftlicher Prozess, der Dialog, Vertrauen und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg erfordert. Thomas Pilz fasste es zusammen:
„Strukturwandel ist keine Excel-Tabelle. Er entscheidet darüber, wie wir morgen leben. Deshalb müssen die Menschen heute mit am Tisch sitzen.“
Über das Projekt TriLand – Grenzüberschreitendes Transformationszentrum ist ein deutsch-polnisches Kooperationsprojekt und wir im Rahmen des Interreg-Programms Polen–Sachsen 2021–2027 gefördert. Ziel ist es, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft im Grenzraum zu vernetzen und gemeinsam Impulse für eine nachhaltige, gerechte und zukunftsfähige regionale Entwicklung zu setzen.
